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Lowa-Geschichte
Wenn Spekulanten im Spiel sind

Die Jahre 1949/50 ließen sich gut an. Der Nachholbedarf war groß. Aber nicht nur die Ware, auch das Geld war knapp. Eine günstige Zeit für Spekulanten. In der Koreakrise stiegen die Materialpreise um bis zu 50%. Leder wurde zum Spekulationsobjekt. LOWA kaufte, was zu bekommen war. Denn man konnte froh sein, Material im Haus zu haben – um arbeiten zu können. Plötzlich fielen die Preise. Die hohen Rechnungen mußten jedoch bezahlt werden. Und das Unternehmen LOWA trug noch an den Schulden, die der Fabrikumbau verursacht hatte. Über Nacht war der Betrieb zahlungsunfähig. Die Bank sperrte den Kredit. Lorenz Wagner, der seine ganze Kraft und Gesundheit seinem Lebenswerk geopfert hatte, war schwer getroffen. Mit 60 Jahren starb er am Ostersonntag 1953.



Lowa-Geschichte
Sepp Lederer reißt das Ruder herum

Sepp Lederer hatte bereits die Betriebsleitung übernommen. Er und Lorenz Wagners Tochter Berti kamen sich bei der Bewältigung der schwierigen Zeit näher. Sie schafften es, Sparkasse und Treuhand zum Einlenken zu bringen. Und feierten 1952 Hochzeit. Nach dem Tod des LOWA-Gründers waren sie für die Firma verantwortlich. Sepp Lederer: „Ich sah auf der Beerdigung – und werde dieses Bild nie vergessen – die ganze Mannschaft, wie da immer zwei Leute einen Kranz getragen haben – und ich dachte mir: Mit diesen Leuten muß man weitermachen! Da war so viel Kraft erkennbar in diesen Menschen – und die erwarteten ja auch von mir, daß ich weitermachen würde!“ Ab 1955 stabilisierte sich die Lage. Insbesondere die Entwicklung der Berg- und Skistiefel wurde vorangetrieben. Die Ausrüstung zahlreicher Expeditionen brachte wertvolle Erkenntnisse. Wichtige Anregungen kamen z. B. von Dr. Karl Herrligkoffer, der durch seine Himalaja- und Nanga Parbat- Expeditionen bekannt wurde. Und von Walter Kellermann.

Nur was gut ist, wird kopiert

Bei den Skischuhen begann eine Revolution. Insbesondere Gattermann, Martin Puchtler, Walter Kuchler und Rudi Mayer brachten die LOWA Skischuh-Entwicklung in Fahrt. Die erste Vulka-Sohle der Welt entstand in Jetzendorf. Leider hatte das Unternehmen nur die Idee, nicht aber das Geld für die Produktionsmaschinen. Der Maschinenhersteller, mit dem LOWA die Idee entwickelt hatte, wollte Geld. So mußte man zusehen, wie ein Großbetrieb in Württemberg die damals modernste Produktionsmethode einführte – eine von vielen Enttäuschungen, die man als Pionier einstecken muß. Ein kleiner Trost: Nur was gut ist, wird kopiert.



Lowa-Geschichte
Kunststoff oder Leder?

Die wohl schwierigste Entscheidung in der Produktion von Skischuhen stand 1967 an. Weiterhin in Leder produzieren? Oder auf Kunststoff umsatteln? Die Meinungen bei LOWA gingen auseinander. Das Risiko schien vielen zu groß, denn LOWA mußte dafür Neuland betreten. Aber Sepp Lederer traute sich als erster bayerischer Hersteller. Und der Erfolg gab ihm recht. „Das war ein großes Wagnis! Wegen der Finanzen! Und wegen der Arbeitskräfte. Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland war damals so groß, daß man sich sehr schwer tat, überhaupt noch Leute zu bekommen. In Bayern gab es keinen, der dieses Risiko einging. Ich habe Verhandlungen mit Metzeler geführt über die Herstellung solcher Schuhe und auch mit Romika, weil die eine Spritzmaschine hatten. Und so eine Maschine war extrem teuer. Deshalb kam auch der Kastinger zu mir und sagte: Wir haben beide nicht genügend Geld – kaufen wir uns doch zusammen eine solche Maschine! Aber ich hatte bereits so viele Ideen entwickelt und Schutzrechte angemeldet, die ich alle hätte offenlegen müssen, daß ich mir sagte: Kaufst sie lieber allein!“



Lowa-Geschichte
LOWA wächst und gedeiht

Das Wachstum von LOWA forderte immer neue Räume. 1959 wurde das bestehende Betriebsgebäude aufgestockt. Das Wohnhaus mußte einem Quertrakt weichen. Wenig später entstand eine Halle für die Vulkananlage. Dort stand ab 1970 die erste Spritzmaschine. Im Kuhstall des Schloßgutes kam ein Materiallager unter. In der stillgelegten Brauerei die Kunststoffspritzerei. Die Zuschneiderei wurde nach Alberzell in eine Halle des inzwischen stillgelegten Hochlandbetriebs verlegt. In Petershausen wurde ein Auslieferungslager eingerichtet. Und der Platz reichte noch immer nicht. Da kam ein Angebot aus Nürnberg gerade richtig. In Altmannstein erwarb LOWA die einst renommierte Medicus-Schuhfabrik, die Konkurs angemeldet hatte. Auf 850 qm entstand hier der wichtige Zuliefererbetrieb für Schäfte.



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