Interview mit Gerlinde Kaltenbrunner

Die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner gehört seit über zehn Jahren zum LOWA PRO Team.

Wann kamst du zu LOWA?

Seit 2004 bin ich Profi-Partnerin bei LOWA. Schon vor der offiziellen Kooperation habe ich aber bereits zumeist LOWA Schuhe getragen. Daher konnte ich mich sofort mit der Marke identifizieren und bin seither immer sehr gerne mit LOWA unterwegs.

Was macht aus deiner Sicht eine gute Kooperation aus?

Eine gute Kooperation macht für mich aus, dass wir als Athleten unsere Ideen mit in die Produkte einbringen dürfen. Gerade bei Modellen, die wir selbst permanent verwenden. Des Weiteren freut es mich, dass im Bereich der spezialisierten Schuhe, in dem nicht die großen Stückzahlen gefertigt werden, uns durch Werner Riethmann die Entwicklung und Produktion dennoch ermöglicht wurde. Ein Beispiel ist neben den Expeditionsschuhen auch der Eiskletterschuh von Ines Papert. Von Beginn an wurden wir mit einbezogen und gefragt: Was könnte verbessert werden? Was benötigt ihr? Im Laufe der vielen Jahre wurde die Zusammenarbeit immer konstruktiver. Das Athletenteam ist gewachsen. Wir tauschen uns auch untereinander oft aus und sind immer wieder gemeinsam unterwegs.

Was sind deine Pläne für die nächste Zeit?

In den letzten zwei Jahren bin ich nicht auf Expeditionen unterwegs gewesen. Das war für mich wichtig und gut, aber jetzt spüre ich, dass ich wieder die Sehnsucht bekomme, aufzubrechen. Im nächsten Sommer möchte ich eine schöne Sechstausender- oder Siebentausender-Expedition unternehmen. Bei mir im Hinterkopf ist immer noch der Gasherbrum IV, ein interessanter Siebentausender in Pakistan. Sehr gerne würde ich auch zum Bergsteigen nach Indien gehen, denn dort gibt es jede Menge technisch anspruchsvolle Sechstausender. Auch für 2018 gibt es schon verschiedene Pläne. Die Achttausender sind für mich aber definitiv abgeschlossen. Es gibt so viele schöne Sechstausender und Siebentausender, die noch zu erkunden sind. Außerdem bin ich derzeit wieder oft beim Felsklettern unterwegs, was ich sehr genieße. Das ist durch die vielen Expeditionen der letzten Jahre ein bisschen zu kurz gekommen. Ich möchte auch weiterhin Vorträge halten. Andere Menschen zu eigenen Zielen zu inspirieren, finde ich sehr bereichernd und macht mich glücklich.

Was hälst du vom Tourismus an den hohen Bergen?

Es gibt eine gewisse Ambivalenz, da ich ja selbst auf den hohen Bergen unterwegs gewesen bin. Nur weil ich jetzt damit abgeschlossen habe, möchte ich nicht auf einmal sagen, dass es eine ungute Entwicklung ist. Es hat sich jedoch leider in den letzten Jahren eingeschlichen, dass mehr und mehr Menschen, denen die bergsteigerische Erfahrung fehlt, sich auf den hohen Bergen bewegen. Am Mount Everest habe ich persönlich gesehen, dass bei Expeditionen Teilnehmer mit dabei waren, welche schon Probleme hatten die Steigeisen aufzuziehen. Da fehlt einfach das nötige Hintergrundwissen, um ein so großes Ziel anzugehen. Dass der Einzelne selbst ein Bewusstsein dafür entwickelt, sich zunächst kleinere Ziele zu setzen, die dann auch aus eigener Kraft zu erreichen sind und damit auch die Erfahrung für die höheren Berge sammelt, würde ich mir wünschen.

Wie wirkt sich deine vegane Ernährungsweise auf den Spitzensport aus?

Mit der veganen Ernährung fühle ich mich rundum wohl. Gerade in Nepal oder Pakistan ist es sehr leicht, sich vegan zu ernähren. Es gibt dort viele pflanzliche Gerichte. Zum Beispiel gibt es über 35 verschiedene Linsensorten, welche einen sehr hohen Proteingehalt haben. Zudem gibt es sehr viele Reis-, Gemüse und Kartoffelgerichte. In diesen Ländern bin ich wirklich bestens versorgt und von zu Hause nehme ich noch Nüsse, Trockenfrüchte und Samen mit. Seit ich mich vegan ernähre schlafe ich besser, die geistige Konzentration hat sich verbessert und die Regenerationszeit nach Trainingseinheiten hat sich verkürzt. Für mich persönlich bringt diese Ernährungsweise sehr viele Vorteile mit sich.