Erstbegehung von „Lost in China“

LOWA-PRO-Team-Athletin Ines Papert und der slowenische Alpinist Luka Lindič klettern erfolgreich durch eine neue Route an der Südostwand des Kyzyl Asker.

© Bilder: Rocker, Ines Papert, Luka Lindič

© Bilder: Rocker, Ines Papert, Luka Lindič

© Bilder: Rocker, Ines Papert, Luka Lindič

Vor nun mehr sechs Jahren, im Jahr 2010, stand der Berg an der Grenze zwischen China und Kirgisistan schon einmal auf der Liste von Ines Papert. An dem bisher nur sehr selten bestiegenen 5.842 Meter hohen Berg sollte es eine Route über die Südostwand werden. Doch aufgrund schwerer Schneefälle mit Lawinen musste die heute 42-Jährige knappe 300 Meter unter dem Gipfel aufgeben. Auch Versuch Nummer zwei im darauffolgenden Jahr musste abgebrochen werden, da Paperts Team unter gesundheitlichen Problemen litt. Danach war der Kyzyl Asker für immerhin fünf Jahre abgeschrieben. „Nach dem zweiten gescheiterten Versuch musste ich die Sache ruhen lassen. Ich wollte nicht, dass dieser Berg zu meinem Lebensinhalt wird“, erklärt die LOWA-Athletin die lange Pause. Jetzt aber wollte sie einen neuen Versuch wagen. Mit dem slowenischen Alpinisten Luka Lindič habe sie den perfekten Partner für dieses Abenteuer gefunden. Zudem war er von Anfang an genauso begeistert von dem Projekt wie sie selbst, erklärt die LOWA-Athletin.
Aus logistischen Gründen fuhr das Kletterteam über China zum kahlen und schwer zugänglichen Berg in der Xingjang-Region. Um möglichst schnell vorwärts zu kommen, hatten sich die zwei erfahrenen Kletterer auf einen reduzierten Alpinstil geeinigt. Zudem war das angepeilte Schönwetterfenster zeitlich eng berechnet.
Am 30. September um 5 Uhr morgens begann der Aufstieg. Die ersten hundert Meter kletterten Papert und Lindič noch simultan im Dunkeln, dann übernahm Lindič für den nächsten Abschnitt den Vorstieg, sodass Papert ihn für kurze Zeit aus dem Sichtfeld verlor. Dann ein lauter Schrei vom 28-jährigen Kletterpartner und ein paar Minuten danach sah auch Papert den Grund: perfektes Eis bis zum Gipfelgrat, für Lindič Anlass genug laut zu Jubeln: „Ich habe noch nie eine derart vollkommene Eis- und Mixedlinie in dieser Höhe gesehen.“
Bis zwei Seillängen unter den Gipfelgrat kletterte das Team noch weiter, auch als es angefangen hatte heftig zu hageln und es dunkel wurde. Nach einer anstrengenden und kalten Nacht im sehr ausgesetzten Biwak ging es am Morgen weiter. Gegen 10 Uhr erreichten Papert und Lindič den Gipfelgrat, wo sie Rucksack und Seile zurückließen um den Aufstieg zum Gipfel ohne Gepäck fortzusetzten. Am 1. Oktober um 12.10 Uhr mittags standen beide Athleten am Gipfel des Kyzyl Asker. Lindič: „Es ist sehr selten gutes Eis an einem Berg wie diesem zu finden. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich Teil von Ines’ Idee sein durfte und von ihrer Erfahrung, die sie an diesem Berg gemacht hat, profitieren durfte.“ Papert fügt hinzu: „Es war mein drittes Mal am Kyzyl Asker. Scheitern ist ein Teil des Bergsteigens, ebenso wie Geduld und eben manchmal auch ein dritter Anlauf. Ich bin unglaublich froh darüber, diesen Moment erleben und mit einem Freund teilen zu dürfen.“